Auf bald im Wald

Zwischen Sport und Spot – eine sportliche Reise durch den Bayerischen Wald

Ja, so einfach kann es gehen. Da passt dem Schwiegervater seine Schwiegertochter nicht und kaum ist Junior mal ein paar Tage aus dem Haus, da lässt der Alte die ungeliebte Verwandte in die Donau werfen. Kein Problem, vier Wochen später sind Papa und Sohn wieder versöhnt und zwei Jahre später heiratet der Filius gehorsam Papas Favoritin. Wie einfach man doch einst Familienstreitigkeiten lösen konnte. So geschehen vor gut 500 Jahren in der niederbayerischen Stadt Straubing. Diese wurde nicht zuletzt durch die beschriebene unglückliche Romanze der Agnes Bernauer mit dem Wittelsbacher Erben Albrecht, der zu allem Überfluss auch noch "Der Fromme" hieß, weithin bekannt.

Uns lockt Straubing als Ausgangspunkt einer spannenden Tour in den Bayerischen Wald. Vom riesigen, historischen Marktplatz steuere ich über die Agnes-Bernauer-Brücke, besagtem Tatort, gen Osten und folgen dem Lauf der Donau. Nur einige wenige Kilometer, dann bietet sich schon ein kurzer Abstecher nach Bogen an. Das kleine Städtchen schmückt sich gerne als Ursprungsort der berühmten weißblauen Rauten, die heute Bestandteil des bayerischen Wappens sind und sich vor allem auf Bierfest-Servietten, -Tellern und -Fähnchen wiederfinden. Nebenbei gibt es hier natürlich noch den Bogenberg. Auf ihm steht die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, die seit 1104 das Ziel der ältesten Wallfahrt Bayerns ist. Die Aussicht über das Donautal von hier oben ist einfach fantastisch.

Gleich hinter Bogen geht es dann schon los mit den kleinen, kurvenreichen Nebenstrecken, die den Naturpark Bayerischer Wald durchziehen. Vorbei an der kleinen Klostergemeinde Windberg düsen wir durch das bergige Land rund um den 1095 Meter hohen Hirschenstein. Jede Menge Wald, sattes, dunkles Grün, gepflügte Äcker, saftige Wiesen und Weiden, dazwischen das nette Dorf Sankt Englmar. Wir folgen den gelben, kleinen Hinweisschildern in Richtung Allersdorf. Ein Schulbus sammelt vor uns fröhliche Kinder ein, die sich am Fenster die Nase nach uns platt drücken. Ein kurzer Dreh am Gasgriff und schon wird die lärmende Fuhre im Rückspiegel kleiner.

Hinter Gotteszell geht es zügiger zur Sache. Über die B11 fliegen wir auf Deggendorf zu. Rechts und links huscht weite bayerische Landschaft an uns vorbei – Berge, teilweise deutlich über 1000 Meter, an deren Hängen kleine Weiler und Wälder kleben. Kurz vor Deggendorf machen wir kehrt und halten auf Regen zu. Schon die Schilder mit den Hinweisen auf Schneeketten zeugen vom kommenden knackigen Anstieg und tatsächlich geht es nicht nur steil nach oben. Der Weg über die Passhöhe Rusel weist auch noch einige kernige Kurven auf, die die Fußrasten der BMW heftig über den Asphalt schrubben lassen. Im heimeligen Örtchen Regen gönnen wir uns mitten im Zentrum ein zweites Frühstück, dann führt uns die B85 wieder nach Süden. Gleich drei touristische Routen nehmen sie in Beschlag. Bier- und Burgenstraße, Bayerische Ostmarkstraße und die Glasstraße verlaufen über dieses Teilstück. Klar, macht ja auch Spaß, die Streckenführung durch Natur- und Nationalpark. Rund um Schönberg weichen wir wieder auf einige schmale Nebenstrecken aus, umrunden den über 1000 Meter hohen Brotjacklriegel und finden uns von Tittling bis nach Passau dann doch auf der Bayerischen Ostmarkstraße, sprich B85, wieder.

Passau, das ist unbedingt einen Rundgang wert. Im Zentrum der "Dreiflüssestadt", gleich am Ufer der Donau, lasse ich die BMW ausrollen und wir schlendern ein bisschen durch die schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt. Der bildschöne Stephansdom streckt seine Türme in den Himmel, Opernhaus und Palais sind nicht weniger sehenswert. Würden nicht die bajuwarischen Traumstraßen auf uns warten, wir könnten den ganzen Tag hier bleiben.

Mit einem Schlenker über Hauzenberg zu Füßen des Staffelbergs geht es entlang der Donau weiter, auf die österreichische Grenze zu. Kurz vor dem Schlagbaum, im sogenannten Abteiland, trennen wir uns schließlich von dem Fluss und steuern immer entlang der deutsch-österreichischen Grenze das Dreiländereck mit der Tschechischen Republik an. Das lässt sich allerdings nur mit einer strammen Wanderung erreichen. Okay, halten wir uns eben an den nicht weniger schönen Dreisesselberg. Hier oben auf 1312 Metern am Ende der öffentlich befahrbaren Bergstraße belohnt uns dafür der Berggasthof Dreisessel, an dem in nur wenigen Metern Entfernung die tschechische Grenze vorbei führt.

Haidmühle, Philippsreut und Mauth heißen die weiteren Stationen unweit des Grenzverlaufs, die uns schließlich wieder zurück an den Nationalpark führen. Skigebiete, herrliche Wanderwege, das Freilichtmuseum zu Füßen des Lusen oder das Nationalpark-Infozentrum sorgen zu jeder Jahreszeit für jede Menge Abwechslung. Für motorisierte Zweiradfahrer bedeutet die Region Spaß pur. Entlang kleiner sprudelnder Bäche, durch dicht bewaldete schattige Hänge mit herausfordernden Kehren und über weites grünes Land führt der Asphalt bis nach Spiegelau, das besonders durch seine Glaskunst und Glasherstellung bekannt ist. In der Glashütte und in den Läden lässt sich das zerbrechliche Material in unzähligen Kunstwerken, Gläsern, Flaschen, Vasen und vielen mehr bestaunen und erstehen. Vorsicht ist dann allerdings beim Transport angesagt. Aber zum Glück kann man sich die Kunstwerke ja auch zuschicken lassen. Bei Frauenau wartet dann schließlich auch noch das Glasmuseum auf Besucher und Zwiesel, gleich dahinter, nennt sich nicht umsonst "Glasstadt". Schließlich gibt es auch hier noch einiges an Glasindustrie, Kristallmanufakturen und sogar eine über 100 Jahre alte Glasfachschule.

Ab Zwiesel ist er ausgeschildert, der Höhepunkt der Region, der "König des Bayerischen Waldes", der große Arber. Über Bodenmais, vorbei an den Rieslochfällen führt eine fantastische gewundene Strecke hinauf und man merkt mit jedem Höhenmeter, wie es ein klein wenig kühler wird. Zeit zum Einkehren wird es am Großen Arbersee. Gleich mitten im Kurvenwirrwarr gelegen, hat sich ein beliebter Moppedtreff etabliert. Man trifft sich, guckt, quatscht ein bisschen, trinkt einen Kaffee oder schlägt sich - je nach Appetit - den Bauch im Restaurant voll. Und wer sich gleich noch ein bisschen bewegen möchte, kann sich keine hundert Meter weiter ein Tretboot chartern. Wir bewegen uns lieber auf dem Asphalt und zwischen den Kehren. Dass das nicht immer ganz ohne Risiko ist, bezeugt die eine oder andere einspurige Bremsspur, die hier in so mancher Kehre an der Planke endet - klassische Selbstüberschätzung?

Hinter dem Arber geht es wieder in die Tiefe. Von Arrach nach Drachselsried und weiter nach Viechtach führt die Strecke teilweise entlang des Schwarzen Regen, der hier im Lauf der Jahre ein schönes Tal in die Erde schmirgelte. Entsprechend geht es auch hier bergauf und bergab, rechts und links ums Eck. In Kötzting treffen wir unsere alte Bekannte wieder, die Bier- und Burgenstraße. Ja, von Bier und Burgen verstehen sie etwas, die Bayern. Und wie um das zu beweisen, liegen nur wenige Kilometer weiter die beiden sanierten Schlösser Miltach und Altrandsberg. Beide sind zu besichtigen und in beiden finden regelmäßig die verschiedensten kulturellen Veranstaltungen statt. Und das Bier, das gibt es dann leider erst abends.

Nach einem kurzen, schnellen Flug auf der B20 ist Stallwang gleich wieder der Einstieg in bayerisches Kurvengewurstel. Mit herrlichen Ausblicken rechts und links der Strecke führt der Asphalt gen Norden, durch Michelsneukirchen und auf Roding zu. Dahinter liegt Kanuland. Immer entlang des Regenufers fahren wir parallel des beliebten Wasserwanderweges nach Regenstauf. Unzählige Kanuwanderer, Canadierfahrer und Paddler kreuzen über das Wasser, umkurven die Steine und Felsen im Flussbett und rasten am grünen Ufer. Problemlos kann man sich bei den zahlreichen Kanuverleihern der Region die komplette Ausrüstung chartern und wird am Ende der Tour auch gleich wieder abgeholt. Besonders im Sommer ein tolles Vergnügen. Übrigens lassen sich die zahlreichen Picknickplätze entlang des Regens auch von motorisierten Zweiradfahrern für vergnügliche und erholsame Picknicks nutzen.

In Regenstauf, kurz vor Regensburg, verlassen wir den Flusslauf und biegen scharf links ab, in den hügeligen Oberen Bayerischen Wald. Wer mag und Zeit und Lust hat, kann sich hier auch geradeaus halten und dem wunderschönen Regensburg mit seiner fantastischen Altstadt einen Besuch abstatten. Wir haben uns das für den nächsten Tag aufgehoben, schließlich kann man locker einen ganzen Tag in der Bischofsstadt verbringen. Kiki und mich führt der Weg noch ein bisschen durch das von Burgen und Ruinen beherrschte Land. Hauzenstein, Kürn, Falkenstein, Falkenfels, überall warten Überreste einstiger Festungen auf interessierte Besucher und Entdecker. Noch ein paar Kilometer, dann kommen schon die Kirchtürme und der Stadtturm von Straubing ins Blickfeld. Endstation und Startpunkt einer mehr als kurzweiligen Bayerntour.

Infos zur Tour:

Die Streckenlänge beträgt etwa 490 Kilometer, sportliche Fahrer schaffen das an einem Tag. Es wäre aber schade, auf alles Sehenswerte rechts und links zu verzichten. Die Tour ist ein ansprechender Mix zwischen grüner Idylle und sportlichen Abschnitten.

Sehenswert:

Zu Füßen des Arber bei Bodenmais liegt das spannende Besucherbergwerk Silberberg, www.silberberg-online.de.

Entlang der Glasstraße liegen einige interessante Glashütten, -museen und -läden, www.dieglasstrasse.de.

Ein besonderer Spaß ist der Bikepark Geisskopf bei Bischofsmais. Einfach mit Moppedklamotten ein Mountainbike leihen, mit dem Lift auf fast 1100 m hoch fahren und dann in den perfekten Downhill-Spaß stürzen, www.bikepark.net.

Stellvertretend für viele Burgruinen im Bayerischen Wald sei hier die Burgruine Weißenstein bei Regen genannt, die fantastische Aussichten bietet, www.burggasthof.de.

Lust auf die alte Dorfschmiede? Das und mehr gibt es im Freilichtmuseum Finsterau, www.freilichtmuseum.de.

 

Telefon: +49 2642 97980
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