Brighton

Einmal Brighton und zurück - eine Reportage in vier Akten. Von fast vergessenen Kulturbeuteln, einem Zug voller Motorräder, London, echtem Verkehrschaos und englischem Essen. So bunt und vielfältig haben Sie England bestimmt noch nicht erlebt.

Einmal Brighton und zurück - eine Reportage in vier Akten. Von fast vergessenen Kulturbeuteln, einem Zug voller Motorräder, London, echtem Verkehrschaos und englischem Essen. So bunt und vielfältig haben Sie das schöne England bestimmt noch nicht erlebt.

Freitag, 06.00 Uhr

Der Wecker klingelt.


Freitag, 06.36 Uhr

Ich springe aus dem Bett, schaue auf die Uhr. Sch... Ich schmeiße die beste Sozia der Welt aus dem Bett.


Freitag, 07.45 Uhr

Die Triumph steht schon seit gestern Abend gepackt in der Garage. Wir freuen uns auf England. Es geht los.


Freitag, 07.45:30 Uhr

Die beste Sozia der Welt fragt, ob ich die Kulturbeutel noch mit eingepackt habe.


Freitag, 07.45:35 Uhr

Ich wende und fahre zurück.


Freitag, 07.56 Uhr

Wir freuen uns auf England. Es geht noch mal los.


Freitag, 07.56:30 Uhr

Die beste Sozia der Welt fragt, ob ich an die Tickets für den Eurotunnel gedacht habe.


Freitag, 07.56:35 Uhr

Ich freue mich immer noch und fahre weiter.


Freitag, 08.44 Uhr

Wir rollen auf der Autobahn gen Westen und ich wundere mich, wieso ich 300 Meter voraus eine Gruppe Fahrradfahrer sehe.

 

Freitag, 08.44:03 Uhr

Ich realisiere, dass wir in Belgien sind und wundere mich nicht mehr.

 

Freitag, 08.44:06 Uhr

Ich bemerke, dass die Autobahn einen Radweg hat, abgetrennt durch eine niedrige Betonmauer – immerhin.

 

Freitag, 12.32 Uhr

Wir rollen in die Kontrollen des Eurotunnels. Da wir noch viel zu früh für die gebuchte Überfahrt – oder heißt das im Tunnel Unterfahrt? - sind, dürfen wir einen Zug früher fahren.

 

Freitag, 12.49 Uhr

Irgendwie faszinierend, über den Bahnsteig fahren wir seitlich in den Zug hinein. Geschlossene Wagen, wie U-Bahn, nur ohne Sitze. Einfach Mopped auf den Seitenständer, absteigen, fertig. Hinter uns parken drei Briten, schnell sind wir im Gespräch.

 

Freitag, 12.53 Uhr

Die Bahn ruckt an, es geht los. Einer der Engländer hält sich am Motorrad fest oder er hält das Motorrad fest. Ich weiß es nicht genau. Er auch nicht. Zu fünft lästern wir über ihn und mit ihm.

 

Freitag, 13.22 Uhr

Wir quatschen immer noch, bemerken plötzlich, dass wieder Licht in die Fenster fällt. Wir sind da. Ich find's immer wieder erstaunlich, wie schnell das geht.

 

Freitag, 13.32 Uhr

Der Linksverkehr ist kein Problem, es klappt prima. Wir fahren erst mal nach Folkestone hinein, zur ungewohnten Tätigkeit des Geldtauschens.

 

Freitag, 13.55 Uhr

Wir sitzen in einem gemütlichen Café auf Folkestones Promenade, lassen uns den viel zu süßen Kuchen schmecken und die Sonne ins Gesicht scheinen und genießen den herrlichen Blick auf den Ärmelkanal.

 

Freitag, 15.50 Uhr

Es geht über den Motorway M20. Die Orientierung ist kein Problem, alle Wege führen nach London. Im Maidstone Service direkt an der Autobahn tanken wir. Der Tankwart freut sich und schwärmt über unsere Bonneville.

 

Freitag, 16.15 Uhr

Die Orientierung wäre eine Katastrophe, hätten wir kein GPS am Lenker. Das elektronische Helferlein führt uns aber perfekt durch den spannenden Londoner Verkehr. Die englischen Moppedfahrer fahren wie die Teufel. Es geht durch schmalste Lücken, rechts und links am Stau vorbei, quer über schraffierte Flächen und über die Busspur. Letzteres ist übrigens offiziell erlaubt. Ich bemühe mich, vorschriftsmäßig zu fahren.

 

Freitag, 16.36 Uhr

Ich bemühe mich, mit den britischen Bikern mitzuhalten. Warum soll ich als einziger alle Verkehrsvorschriften einhalten, wenn sich sonst keiner darum schert.

 

Freitag, 16.36:35 Uhr

Mit der Bonny stoche ich dem Fahrer irgendeines Softchoppers hinterher, kann aber nicht mithalten.

 

Freitag, 16.37 Uhr

Ich überhole gerade eine lange vor einer Ampel stehende Autoschlange - über die durchgezogene Mittellinie. Das habe ich bei den anderen auch überall gesehen.

 

Freitag, 16.37:20 Uhr

Ich erreiche die weiße Linie vor der Ampel, das erste Auto gleich neben mir ist ein BMW, schön blau-gelb gestreift und mit blauen Lichtern auf dem Dach, auf der Motorhaube steht „Police“, Mist!

 

Freitag, 16.37:23 Uhr

Die beiden Polizisten gucken uns und die Triumph gelangweilt an. Sonst keine Reaktion, prima!

 

Freitag, 17.22 Uhr

167 Horn Lane, London Guest House, angekommen. Navneesh, der Hostelchef, empfängt uns super freundlich und zeigt uns unser Zimmer. In der Mitte das Bett, drumherum ein knapper Meter Platz. Okay, wir sind eh nicht viel hier und über den Tankrucksack und die Taschen können wir ja hinwegsteigen. Immerhin, eigenes Klo und Dusche sind im Zimmer, und der Preis ist voll in Ordnung.

 

Freitag, 20.08 Uhr

Wir stürzen uns ins Nachtleben von Soho.

 

Samstag, 8.30 Uhr

Keine Lust zum Aufstehen. Hilft aber alles nichts, wir wollen ja noch etwas von England sehen. Im Frühstücksraum gähnende Leere, der Kaffee ist noch nicht ganz fertig, die Eier auch nicht. Wir wundern uns. Ich frage Navneesh, ob wir zu früh seien. „Not to early, but early!“ meint er gelassen. Im Fernsehen laufen die BBC-News und Kiki fragt mich, wieso dort 7.30 Uhr steht. Oh nee, die Zeitverschiebung, wir hätten eine ganze Stunde länger schlafen können. Navneesh lacht sich schlapp, wir lachen gequält mit.

 

Samstag, 9.24 Uhr

Es geht wieder durch den Londoner Stadtverkehr. Langsam fängt die Sache an, Spaß zu machen. Ich habe es vorhin sogar mal geschafft, ein anderes Mopped abzuhängen. Eigentlich ist das Durchkommen mit dem Zweirad kein größeres Problem. Wenn wir das GPS nicht hätten, wäre es aber sicher eines.

 

Samstag, 9.47 Uhr

In der Marylebone Road ist Schicht. Wir kämpfen uns nach vorne durch. Dort stehen zwei rote Doppeldeckerbusse nah hintereinander. Eigentlich normal, in diesem Fall allerdings zu nah, viel zu nah. Ein Haufen Glas liegt auf der Straße. Gemeinsam mit einem Motorradkurier rollen wir langsam über den Bürgersteig daran vorbei. Passt.

 

Samstag, mittags bis nachmittags

London ist toll! Kiki und ich bummeln durch die City, erwandern die ruhigen Parkanlagen und die trubeligen Passagen. Wir lassen es uns gut gehen, essen lecker und genießen einfach die Stadt. Im Hyde Park versuche wir verzweifelt, den skurrilen Typen zu verstehen, der in Speakers Corner lautstark seine Thesen verbreitet. Keine Chance, es ist wohl irgendein Slang. Seit 1872 darf hier jeder vor den Massen auf den Tisch hauen. Aber wehe, man lästert über die Queen. Strikt verboten! Das verkünden extra aufgestellte Hinweisschilder.

 

Samstag, 16.15 Uhr

Wir brechen wieder auf. Unser Ziel ist das Ace Cafe in der North Circular Road.

 

Samstag, 16.48 Uhr

Die Nähe zum Ace Cafe korreliert unmittelbar mit der Anzahl der Motorräder rechts und links von uns. Je näher wir Wembley kommen, um so mehr werden es. Ich brauche Ihnen eigentlich nur zu folgen.

 

Samstag, 16.51 Uhr

Der Parkplatz ist voll, der Bürgersteig zugeparkt, auf der Straße davor stehen dicht an dicht die Motorräder. Ebenso auf der anderen Straßenseite, auf der Wiese und den Wegen gegenüber. Dazwischen hunderte von Menschen. Motorenlärm, Reifen quietschen, heftiger Rock 'n' Roll liegt in der Luft, wir sind da. Ich finde einen Parkplatz, gute hundert Meter entfernt.

 

Samstag, 19.10 Uhr

Eine ganze Reihe lustiger Gespräche später: Wir haben richtig spannende Motorräder gesehen, Triumphs, Nortons, Tritons, BMWs umgebaut als Cafe Racer, Ducatis, aber auch eine ganze Reihe stinknormaler Moppeds. Außerdem haben wir jetzt sogar einen Sitzplatz im Ace ergattert und mächtig Hunger. Kiki hält den Platz frei, erstaunlich schnell schiebt sich die Schlange an der Theke vorwärts und ich kann ordern: Natürlich zweimal die legendären Bangers n' Mash. Für Unwissende: Vier herzhafte Ace-Würstchen, Kartoffelbrei, braune Soße, Zwiebeln, Erbsen. Klingt furchtbar, ist aber ein Traum für fünf Pfund fünfundsiebzig.

 

Samstag, 22.12 Uhr

Es klingt immer noch nach R 'n' R. Aber wir sind so alle, dass wir ins Hostel wollen. Wir schwingen uns auf die Bonneville und steuern die Horn Lane an. Super, die Straßen sind so frei, dass die Fahrt nur ein paar Minuten dauert.

 

Samstag, 22.23 Uhr

Die Bonnie steht im Hof. Schräg gegenüber hat noch ein Laden offen. Wir gehen rüber, wollen noch zwei Bierdosen und ein paar Chips mitnehmen. Dummerweise kommen wir genau in dem Moment in den Laden, in dem sich der Besitzer mit einem übel riechenden Kunden fetzt, der ebenfalls Bier haben will. Er will aber nicht bezahlen, freut sich dafür über unsere Ankunft und meint, wir mögen ihn doch einladen. Gemeinsam bugsieren wir ihn aus dem Laden.

 

Samstag, 23.44 Uhr

Über die BBC Football League Show schlafen wir ein.

 

Sonntag, 9.30 Uhr

Heute haben wir eine Stunde länger geschlafen. Der Kaffee ist fertig. Navneesh lobt uns für's Umstellen der Uhr. Wir sind lernfähig.

 

Sonntag, 10.42 Uhr

Wir kommen am Ace an. Unglaublich, hunderte, vielleicht auch tausende Moppedfahrer trudeln ein. Verkehrsmäßig geht kaum noch etwas. Der Busfahrer auf der North Circular Road steht kurz vor dem Infarkt, he's not amused. Die Marshals des Ace Cafe versuchen, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen. Sie verweisen auf entferntere Straßen, was eine ganze Reihe Biker aber mal locker ignoriert.

 

Sonntag, 11.30 Uhr

Pünktlich auf die Sekunde fällt der Startschuss. Alles setzt sich in Bewegung. Die Polizei hält auf der A406, Londons nördlicher Ringstraße, Spuren für die Motorräder frei. Links neben uns sitzt ein Hund im Tankrucksack, Helm und Brille auf, Lederweste an. Eine Handvoll Motorräder dahinter sitzt ein Typ auf der Harley, dessen grauer Bart mal locker bis auf den Tank reicht. Ich erkenne französische, italienische, deutsche Nummernschilder, sogar ein kanadisches. 

 

Sonntag, 11.59 Uhr

Das Tempo wechselt zwischen Rasten und Rasen. Wir haben den Autobahn-Ring erreicht, die M25. Auf den Brücken stehen jede Menge Menschen, winken uns zu. Daneben jede Menge Blitzer. Die „Speed Camera Units“ postieren sich fairerweise ziemlich gut erkennbar. Gut so, britische Bußgelder sind saftig.

 

Sonntag, 12.31 Uhr

Scheinbar besitzen einige britische Biker eine gewisse Anonymität, Todesmut oder unbegrenztes Kapital. Soeben wurde ich links so zackig überholt, dass ich nicht mal die Motorradmarke erkennen konnte. Ich fahre rund 130 km/h.

 

Sonntag, 12.52 Uhr

Auf der Standspur der M23/A23 kurz vor Brighton sammeln sich die Grüppchen der teilweise weit auseinander gezogenen Biker. Man will doch standesgemäß in der Gruppe ankommen.

 

Sonntag, 13.14 Uhr

Ausnahmezustand! Der Verkehr nach Brighton hinein wirkt irgendwie zusammengebrochen. Zumindest für die Autofahrer, die in einer einzigen langen Schlange auf der Straße stehen. Der Motorradverkehr läuft über die Mittellinie, stadtauswärts will sowieso keiner. Ein scheinbar genervter Autofahrer fährt absichtlich weit rechts, behindert den einspurigen Verkehr und fährt auch trotz Hupe nicht auf Seite.

 

Sonntag, 13.14:25 Uhr

Die Beule in seiner Tür wird wohl die Werkstatt in der folgenden Woche entfernen müssen. Jetzt weiß ich auch, warum manche britischen Biker ihr Nummernschild ziemlich versteckt (und verdreckt) unter dem Heck angeschraubt haben.

 

Sonntag 13.28 Uhr

Durch ein unglaubliches Spalier von dicht an dicht geparkten Motorrädern rollen wir den Madeira Drive entlang – Faszinierend. Nach vielen hundert Metern stellen wir die Bonny in die lange Reihe. Wir sind da.

 

Sonntag, 15.44 Uhr

Seit über zwei Stunden lustwandeln wir durch die unüberschaubare Masse an Maschinen und Zuschauern, Verkaufs- und Infoständen, Buden und Bikern. Es gibt nichts auf zwei Rädern, was es beim Brighton Burn Up nicht gibt. Reine Rennmotorräder, gechoppte Cruiser, aufgemotzte Enduros fertig für die Wüste, Roller mit zwanzig und mehr Rückspiegeln, Gespanne, Moppeds mit Anhängern, natürlich reichlich Cafe Racer und Naked Bikes. Außerdem Fish and Chips, Rock 'n' Roll, Rocker, Mods und putzige Pettycoats.

 

Sonntag, 15.51 Uhr

Neben uns rockt ein alterndes Pärchen, geschätzte 60, über und über mit ihren Rock 'n' Roll-Idolen tätowiert, echte Kunstwerke die Tattoos, die beiden aber auch.

 

Sonntag, 16.30 Uhr

Langsam aber sicher leert es sich. Die Lücken in den Reihen der geparkten Moppeds werden größer. Wir gönnen uns lecker Fish and Chips, nur echt mit Salz und Essig auf den Pommes (salt ’n’ vinegar). Cod, Pollock oder Haddock fragt der Verkäufer. Ich entscheide mich für Kabeljau, schmeckt besser als Seelachs oder Schellfisch.

 

Sonntag, 17.45 Uhr

Auch wir brechen auf. Die Beine tun weh. Wir sind geschafft, aber voller Eindrücke. Ich verlasse den Madeira Drive in Richtung Süden. Über die Küstenstraße, die A259, geht es in Richtung Eastbourne. Unser Bed & Breakfast wartet.

 

Sonntag, 18.22 Uhr

Bei Eastdean entdecke ich den kleinen, versteckten Wegweiser zum Beachy Head. Natürlich zu spät. Bremsen, wenden, abbiegen.

 

Sonntag, 18.26 Uhr

162 Meter hoch sind die Kreidefelsen am Beachy Head und damit die höchsten Großbritanniens. Wir liegen ganz an ihrem Rand auf dem Bauch im Gras und schauen in die Tiefe. Unten rauscht das Meer, Möwen kurven schreiend im Aufwind, draußen dümpeln zwei, drei Boote auf den Wellen. Genau hier spielte die legendäre Schlussszene von Quadrophenia. Jimmy Cooper, frustriert vom Leben, seiner Angebeteten Steph und seinem großen Idol Ace rast mit seinem Roller über die Klippen in den Tod. Tragisch, entbehrt aber nicht einer gewissen Realität. Hier stürzen sich des öfteren enttäuschte Menschen in die Tiefe.

 

Sonntag, 19.14 Uhr

Überschwenglich werden wir im Sea Breeze Guest House von Katie empfangen. Very uninformal sei ihr Haus, wir sollten uns gut erholen und nur jeden Wunsch äußern. Im ersten Stock steht ein Riesenregal voller DVD mit spannenden Spielfilmen. Was will man mehr.

 

Sonntag, 21.20 Uhr

Der Kies von Eastbournes Strand knirscht unter unseren Füßen. Die Motorradstiefel beweisen gerade, dass ihnen auch Salzwasserwellen nichts anhaben können.

 

Montag, 09.00 Uhr

Zwei Würstchen, gebratene Pilze, eine Grilltomate, baked Beans, Speck, zwei Kartoffelpfannkuchen, Corn Flakes, Toast mit Orangen- und Heidelbeermarmelade, Kaffee, Orangensaft – wer nach diesem Frühstück nicht bis nachmittags satt ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

 

Montag, vor- und nachmittags

Wir machen East-Sussex und Kent unsicher. Alfriston, das kleine, bildschöne Fachwerkdorf, Battle, das einstige Feld der großen Schlacht von Hastings 1066, heute Abtei, Dorf und Freilichtmuseum, die stets heiß umkämpfte normannische Burg Pevensey Castle und Rye, das mittelalterliche Dorf, einst Mitglied im Bund der fünf englischen Kanalhäfen, der Cinque Ports führen uns langsam, aber sicher wieder zurück zur „Strait of Dover“.

 

Montag, 15.16 Uhr

Ich parke auf einem Parkplatz mit Parkautomaten. Ich habe keine Ahnung wie ich den Zettel am Mopped befestigen soll, stelle mich also in eine kleine unauffällige Ecke, wo ich garantiert niemanden störe.

 

Montag, 15.23 Uhr

In der Fußgängerzone werden wir gefragt, ob wir die Fahrer der Triumph seien, mit der sich gerade die Polizei beschäftigt.

 

Montag, 15.26 Uhr

Ich treffe gerade wieder an meinem Mopped ein. Pünktlich, um ein Gespräch mit den beiden Politessen zu beginnen, dass in etwa – nur ganz leicht gekürzt - wie folgt abläuft:

 „Was habe ich gemacht?“ - „Sie hätten in der Parklücke parken müssen, nicht daneben!“ - „Aber wie soll ich denn den Zettel am Bike befestigen?“ - „Das brauchen Sie nicht.“ - „Aber woher wissen Sie denn dann, dass ich bezahlt habe?“ - „Das brauchen Sie ja mit einem Motorrad gar nicht.“ - „Wie? Umsonst?“ - „Mit einem Motorrad, ja, sicher.“ - „Sicher? Ohne Strafzettel?“ - „Ja, aber Sie standen ja jetzt neben der Lücke und das dürfen Sie nicht.“ - „Aha, und jetzt muss ich wirklich bezahlen?“ - „Ja, natürlich!“ - „Natürlich, wie viel denn?“ - „70 Pfund“ - „...“

 

Montag, 15.28 Uhr

Ich verkneife mir, zu notieren, was ich gerade denke.

 

Montag, 16.55 Uhr

Wir trudeln in den Kontrollstellen des Eurotunnel-Geländes bei Folkestone ein. Ein Polizist wischt mit einem XXL-Wattestäbchen an der ganzen Bonneville herum. Ich frage ihn, ob er auch die Kette sauber machen möchte. Wahrscheinlich hat er diesen Witz schon tausendmal gehört. Ich kann trotzdem nicht anders.

 

Montag, 16.57 Uhr

Es finden sich keine Sprengstoffspuren am XXL-Wattestäbchen. Wir dürfen in den Zug.

 

Montag, 18.35 Uhr

Französische Autobahn, es regnet ein wenig, wir ziehen die kapuzenartigen Regenüberzüge über die Gepäcktaschen der Bonny.

 

Montag, 18.39 Uhr

Ein wild gestikulierender französischer Autofahrer will uns etwas sagen.

 

Montag, 18.39:45 Uhr

Ich rolle den kapuzenartigen Regenüberzug wieder ein. Er hatte sich im Fahrtwind gelöst, flatterte munter vor sich hin und hat nun durch den heißen Auspuff ein paar Belüftungslöcher. Sind eh nur Klamotten in der Tasche.

 

Montag, 20.46 Uhr

Ich stehe zu Hause unter der heißen Dusche und spüle den letzten französischen Regen runter. Hinter uns liegen ein fantastisches, abwechslungsreiches und langes Wochenende, runde 1600 Kilometer, viele nette Kontakte und reichlich Menge Spaß.

 

Telefon: +49 (0) 26 41 30 82 0
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