Hoch im Norden – Schwedens größte Insel

"Ein Mann namens Tjelvar fand Gotland als Erster. Damals war Gotland aber verzaubert, sodass es bei Tage im Meere versank und nur nachts auftauchte. Aber dieser Mann brachte als erster Feuer ins Land und danach versank es nie mehr."

Ein bisschen haben sie schon geflunkert, die Schweden, als sie im 12. Jahrhundert in der Gutasaga die Entstehungsgeschichte ihrer Insel Gotland notierten. Oder etwa doch nicht? Galt das Eiland doch schon immer als Ort voller Mystik und alter Geheimnisse. Wie auch immer, Tjelvar sei Dank für seine rühmliche Tat. Denn wenn er es wirklich war, dann haben wir ihm diesen fantastischen Anblick von Bord der MS Gotland zu verdanken. Die manövriert sich gerade in den Hafen von Visby hinein und hat unser Motorrad, vollgepackt mit Zelt und Zeug, im Bauch. Faszinierend, wie zügig die riesige Fähre im engen Hafenbecken metergenau auf der Stelle dreht, um rückwärts am Kai anzulegen. Mit den Ellbogen auf der Reling verfolgen wir das Spiel und genießen Visbys Panorama. Steile rote Dächer, flankiert von weißen, stufenförmigen Giebeln strecken sich in den Himmel. Dazwischen thronen graue, mächtige Mauern und Türme, Teile der uralten Stadtmauer und Überreste der einst wehrhaften Kirchen. Und über allem ragen die drei schwarz gedeckten, riesigen Türme der Domkirche hinaus.

Gut zwanzig Minuten später liegt die Inselhauptstadt schon wieder hinter uns und wir rollen mit der BMW entlang der Küste gen Norden. Das kleine, stilisierte Zelt auf der Karte bei Snäckgärdsbaden lässt eine geeignete Unterkunft erahnen, dem widerspricht allerdings das freundliche Schild am Tor: "Keine Zelte!" Keine Zelte auf einem Zeltplatz? Okay, bleibt doch unter Euch mit Euren weißen Schuhkartons auf Rädern - die Sozia ist sauer! Fünf Kilometer weiter - freundlicher Empfang, nette Wiese, toller Ausblick, hier ist es sowieso schöner. Zelt aufbauen, raus aus den Moppedklamotten, ran ans Wasser und unter dem Rauschen der Wellen dient der Rest des Tages der Erholung von gut tausend Kilometern Anreise.

Das Kaffeewasser blubbert auf dem zischenden Gaskocher vor sich hin, während wir am nächsten Morgen beim Frühstück über der Gotland-Karte brüten. Nord oder Süd, das ist hier die Frage. Die Antwort fällt schnell. Wo sind die meisten Wolken? Also dann, es geht nach Norden. Bald sitzen wir auf der GS, rollen die 149 entlang. Rollen - das ist der richtige Ausdruck. Differenzierte Geschwindigkeitsbegrenzung nennt sich das ausgeklügelte System auf Schwedens Straßen. Die Grundgeschwindigkeit ist 70, schrittweise geht es nach unten. 50 wenn es dicht besiedelt, 30 wenn es risikoreicher ist. Fernverkehr in gutem Zustand steht für 90 und ganz selten mal, wenn die Straße besonders sicher scheint, darf man sogar 110 fahren. Und sie tun es tatsächlich. Immer wieder staunen wir, welche Selbstdisziplin die Schweden beweisen. Da steht die Tachonadel eisern und fest auf der 70, obwohl weit und breit kein Elch, kein Polizist und kein Gegenverkehr droht. Respekt, da könnte sich so mancher mittel- bis südeuropäischer Tiefflieger eine Scheibe abschneiden. Ich versuche, mich auch dran zu halten - auf den langen und leeren schwedischen Geraden nicht immer einfach. Die drohenden, ziemlich drakonischen Strafen sind da eine hilfreiche Gedächtnisstütze. Ist man 20 Stundenkilometer zu schnell, werden mal eben 250 Euro fällig, darüber hinaus kann es locker vierstellig werden.

Von der 149 biege ich immer wieder auf kleine Nebenstrecken ab. Eine davon bei Vale führt auf ein fantastisches Stückchen Kiesstrand. Zwischen meterhohen Klippen rechts und links werfen sich die weiß schäumenden Wellen auf kugelrunde, in allen Erdfarben leuchtende Steine. Hölzerne Fischerboote, bunt bemalt und mit einer dicken Teerschicht abgedichtet, liegen vertäut am Ufer. Wir setzen uns in die Steine, träumen vor uns hin, atmen salzige Meerluft und schauen den schreienden Möwen hinterher, die wie Jagdflugzeuge durch den Wind brettern. Von hier brachen einst die Goten auf, als ihre Insel nicht mehr genug Platz für alle bot. Keiner wollte freiwillig. Wer gehen musste, bestimmte das Los. Und nicht selten verschanzten sich die auf diese Weise Auserkorenen in ihrer Fluchtburg bis sie mit Gewalt vertrieben wurden.

Bei Lickershamn erwartet uns eine Jungfrau am Strand. Lang, schlank und schneeweiß ist sie und ganze zwölf Meter groß. "Jungfrun" heißt der Raukfelsen. Einer der vielen Kalksteinfelsen, wie sie auf den schwedischen Inseln oft zu finden sind. Unterschiedliche Gesteinshärten und Erosion schufen nach der letzten Eiszeit skurrile Gebilde mit faszinierenden Formen. Faszinierend sind auch die Kilometer entlang der Küste bei Harudden, der nördlichsten Spitze von Gotlands Hauptinsel. Vor Halls fiskeläge, was auf deutsch etwa Halls Fischerdorf bedeutet, lagen die ertragsreichsten Fanggründe rund um Gotland. Heute tummeln sich hier nur noch einige wenige Touristen. Vom ehemaligen Fischerdorf bis hinunter nach Västös lenke ich die BMW über einen unbefestigten, holprigen Weg entlang des Wassers. Kies- und Sandstrände zwischen dichten Kiefernwäldern und tiefblauem Meer, menschenleer, traumhaft schön, laden zum erfrischenden Bad und herzhaften Picknick.

Dass die meisten Orte Gotlands nur kleine, extrem überschaubare Ansammlung von nett anzusehenden Häuschen sind, ist kein Geheimnis. Auf der Suche nach Kappelshamn, schon im 50 Kilometer weit entfernten Visby ausgeschildert, durchfahren wir zweimal den kompletten Ort ohne es zu merken. Besonders präsent ist dafür der nur wenige Kilometer weiter gelegene Gotland-Ring, eine bei den Schweden enorm beliebte Rennstrecke. Wenn die Fähre in Visby ihren Inhalt an Land spuckt, sind regelmäßig jede Menge Sportwagen dabei, die kurze Zeit später um die hochmoderne Rennstrecke geprügelt werden. Mit unserer stollenbewehrten Groß-Enduro verzichten wir lieber auf eine Testrunde. Neugierig sind wir dennoch, gönnen uns in der Ring-Cafeteria einen heißen Schluck mit Blick aufs Geschehen und schauen den Sportfreaks bei ihren Runden auf zwei und vier Rädern zu.

Eine Hand voll Kilometer weiter plötzlich eine Schrecksekunde. Heftig ziehe ich an der Bremse, das ABS kommt ebenso in Wallung wie meine körpereigene Pumpe. Todesmutig, gleich vor dem Vorderrad, wetzt ein Fuchs über die schmale Straße. Wähnten wir uns doch eigentlich auf Gotland in relativer Sicherheit, schließlich gibt es hier im Gegensatz zum restlichen Schweden keine Elche. Aber ein ausgewachsener Vulpes Vulpes-Rüde bringt auch immerhin bis sieben Kilo auf die Waage und damit mit Sicherheit auch eine GS zu Fall. Fast hämisch sehe ich noch einmal den buschigen Schwanz aus dem Gebüsch winken, dann ist der Spuk schon wieder zu Ende.

Für den Rückweg nach Visby lasse ich mich vom GPS führen. Ich gebe "Kürzeste Strecke" ein und los geht's. Erst durch das Städtchen Lärbro, natürlich auch nur aus wenigen Häusern bestehend, dann auf immer schmaler werdenden Wegen führt uns das elektronische Helferlein in Richtung Südwesten. Mit Freude nehmen wir die zu Gotlands normalen Straßennetz gehörenden unbefestigten Wege unter die Räder. Vorbei an Wiesen und Feldern, Höfen, bunt gestrichenen Schwedenhäusern, durch dichten Wald und über weite Heidelichtungen geht es quer über die Insel.

Ring frei zur zweiten Gotland-Runde. Neuer Tag, neues Glück - Unser Ziel ist die nördliche, zu Gotland gehörende kleine Insel Fårö. Bis Mitte der 90er Jahre war das kleine Eiland militärisches Sperrgebiet, heute hat es sich zu einem Eldorado für Radler und Wanderer entwickelt. Mindestens jede halbe Stunde dümpelt die Fähre über den schmalen Fårösund. Verkehrte Welt, als wir uns in die Reihe der wartenden Autos einreihen, komplimentiert man uns bis vorne durch. Mit dem Motorrad sollten wir doch nach ganz vorne fahren, es gäbe einen Extra-Bereich auf der Fähre für Motorräder und dann kämen wir auch schneller wieder hinunter. Toller Service! Und wo gibt es heute auch noch etwas umsonst? Zwischen Gotland und Fårö! Als ich mein Fährticket auf dem Kahn zwischen den beiden Inseln bezahlen will, ernte ich nur erstaunte Blicke. "No Ticket!" Wir sind begeistert.

Broa - drei Häuser, ein Fähranleger. Nur kurz dahinter ein einladender Campingplatz mit viel Grün. Die Rezeption ist nicht besetzt, also bauen wir einfach das Zelt auf und brechen gleich wieder auf, die Insel zu erkunden. Idylle pur, wir passieren reetgedeckte Häuschen, uralte Pferdeställe aus sonnenverblichenem Holz, die unvermeidlichen Windmühlen oder mehr oder weniger antike Überreste davon und natürlich Unmengen Schafe. Nicht umsonst ist das Schaf, hier nennt man es Lamm, auf Gotlands Flagge vertreten. In Fårös gleichnamigem Hauptort drehen wir links ab und düsen in Richtung Släthällar. Dort, direkt an der Küste, führt die malerische, schmale und kurvenreiche Asphaltpiste direkt an der Raukområde entlang, der malerischen Galerie von Gotlands schönsten und spektakulärsten Rauksteinen. An der Grenze zwischen Wasser und Land wachsen abstruse, steinerne Gebilde empor. Hier müssen wir einfach vom Motorrad runter, rauf auf die Felsen, zwischen den kantigen und karstigen Gebilden herumklettern, über Felsen balancieren und die vielen fantastischen Anblicke genießen. In den Formationen lassen sich die tollsten Figuren erkennen, nicht ohne Grund haben die Schweden einigen Felsen passende Namen gegeben. Natürlich probiere ich auch den einen oder anderen schmalen Engpass mit der GS aus. Ist auch alles gut gegangen, bis auf ein paar kräftige Kratzer an den ausladenden Koffern. Hätten wir wohl besser auch auf dem Campingplatz gelassen. Aber schließlich ist das ja eine Enduro und die darf so aussehen.

Ganz oben im Nordosten streckt sich der Fårö Fyr in den Himmel. Vorbei an urigen, eng zusammen stehenden Fischerhütten aus schwarzem, geteerten Holz und halb zerfallenen Booten, die ihre besten Tage längst hinter sich haben, erreichen wir Gotlands nördlichsten Leuchtturm. Zwischendurch scheuche ich die BMW über riesige Kiesflächen und das eine oder andere Stück Sandweg. Hier oben bei Holmudden sieht es tatsächlich so aus, als hätten wir das Ende der Welt erreicht. Weit draußen auf See ist es stockdunkel. Mächtige, schwarze Wolken ballen sich drohend am Horizont zusammen. Da möchten wir jetzt nicht mit dem Boot unterwegs sein. In der Bucht Ajkesvik überrascht uns Fårö mit Sandstränden. Kleine einladende Badeparadiese, gespickt mit ruinösen Sandburgen und Segelbötchen. Unsere Badesachen liegen im Zelt, also verzichten wir auf das Bad und vollenden die Fårörunde wieder auf unserem Zeltplatz, wo sich inzwischen auch der Platzeigner eingefunden hat. Ein uriger, uralter Schwede, offensichtlich geplagt von Rückenbeschwerden und dicker Erkältung. Das hindert ihn aber nicht an einem schier unglaublichen Redeschwall. Auch unser mehrmaliger Einwand, dass wir doch gar nicht schwedisch sprechen, bremst ihn nicht. Gestenreich erklärt er uns den Platz, seine Lebensgeschichte, die aktuellsten Neuigkeiten Fårös und mit Sicherheit noch so manches mehr, von dem wir keine fünf Prozent verstehen. Irgendwann gebe ich auf, nicke nur noch begeistert und täusche fröhliches Verstehen vor. Hoffentlich schildert er uns nicht gerade die letzten Fåröer Sterbefälle. Wir nutzen eine seiner Hustenattacken zur Flucht.

Über den Fårösund verlassen wir das kleine Eiland am nächsten Tag wieder und halten uns an Gotlands Ostküste gen Süden. Hohe, weiß leuchtende Kalkklippen wechseln sich an der Küste mit goldfarbenen Badestränden ab. Immer wieder führen kurze Abstecher an herrliche einsame Ufer. Valleviken, Åminne, Botvaldvik, einladende, verlockende Badeplätze. Südlich der Landzunge bei Östergarn warnt ein Schild vor gefährlichen Kurven. Und tatsächlich erleben wir auf den folgenden fast zehn Kilometern richtig spannende, für Gotland doch eher ungewöhnliche Kurvenkombinationen. Zeichnet sich die Insel sonst doch durch gradlinige Streckenführung und ruhige Landschaften aus. Und prompt begegnet uns doch tatsächlich mittendrin in dieser Etappe ein knieschleifender Ducatifahrer. Wahrscheinlich muss der arme Bursche diese Strecke in Ermangelung fehlender Alternativen mehrmals täglich einnehmen.

Ljugarn, natürlich ebenfalls nicht viel mehr als ein kleines Nest, aber schon mit einem gewissen Flair als Urlaubsort, führt uns zu unserem ganz persönlichen Favoriten unter Gotlands Stränden. Folhammar, das nördlich von Ljugarn liegende Naturschutzgebiet, ist über eine Sackgasse gleich entlang der Küste zu erreichen. Freie Graslandschaft wechselt sich mit dichten, schattigen Kiefernwäldern ab, gleich daneben strahlend weißer, blank und rund gespülter Kies, der in tiefblaues, mit Fels gespicktes Meer übergeht. Und trotz Hochsaison verteilen sich auf hundert Meter Küste mal gerade zwei, drei Badetücher. Für uns Ruhesuchende ein guter Grund, ein wenig zu bleiben.

Je näher Kiki und ich Gotlands Süden kommen, umso mehr Rauksteine finden sich am Meeressaum wieder. Eine der schönsten Formationen ragt bei Hoburgen aus dem Wasser. Grau und weiß, von strahlend gelben Flechten gepunktet, mit Türmen und Durchlässen versehen, residieren die Rauks gleich neben steingedeckten, alten Fischerhütten. Wir nutzen die Gelegenheit, tauschen Helm mit Mütze und wandern ein gutes Stück die Küste hinunter.

Später, ein gutes Stück hinter Burgsvik, stoße ich auf ein ganz besonderes Exemplar eines vorschriftsgetreuen Autofahrers. Selbst als das Schild 70 erlaubt, zuckelt der Volvo mit geschätzten 49,5 km/h vor uns über die Landstraße. Ein kurzer Dreh am Griff, kräftig blubbernd zieht die GS vorbei und ich habe gerade noch Zeit für einen kurzen Blick auf den Tacho, bevor ich die Radarfalle am Straßenrand erkenne. Glück gehabt, ziemlich exakt auf der 70 pendelt der Zeiger herum. Gut, dass der skandinavische Fahrstil schon so weit auf mich abgefärbt hat. Das hätte sonst ins Auge und vor allem ins Portemonnaie gehen können.

In Fidenäs, nur zwei Minuten weiter, entdecken wir dann auch gleich einen herrlichen Campingplatz. Lockerer Wald oder offene Wiese, ganz nach Wunsch, kaum belegt und ganz idyllisch am Ende einer riesigen Bucht gelegen. Trotzdem kaum Mücken und am Abend und in der Nacht, als sich langsam Nebelschwaden über den weiten Uferwiesen bilden, lauschen wir dem Konzert unzähliger Graugänse, die sich wohl eine Menge zu erzählen haben. Immer wieder erheben sich die Gänse in Gruppen in die Luft, bilden Reihen und Formationen, drehen ein paar Runden und landen wieder im Meerwasser. Hier wird wohl schon kräftig geübt für den herbstlichen Flug in den warmen Süden.

Zwei, drei Tage später brechen wir auf, folgen der 45 nach Norden. Bei Jakobs halten wir uns links, brettern über eine teilweise unbefestigte Piste zum Naturschutzgebiet Kronvald. Über in der Straße eingelassene Kuhgitter und vorbei an kleinen Höfen geht es in Richtung Küste. Noch ein paar Asphaltschlängel durch die Kuhweiden, dann liegt der Kiesstrand vor uns und je näher wir dem Wasser gekommen sind, umso näher rückten uns derweil die schwarzen Wolken. Der dichte, graue Schleier darunter verspricht nichts Gutes. Also düsen wir noch ein Stück am Strand entlang, in der Hoffnung auf ein paar schützende Bäume. Kaum fallen die ersten Tropfen, erreichen wir ein paar einfache Holzhütten. Die sind wie für uns gemacht. An eine der Hütten ist die perfekte Motorradgarage angebaut, ein dichtes Dach, ein Balken zum Sitzen, wir werden zum Hausbesetzer. Und während es draußen richtig heftig niedergeht, genießen wir unser Brot, herzhaften Käse und anschließend einen perfekten Kaffee.

Pünktlich zum letzten Schluck ist dann auch der Regen zu Ende. Über Tofta, wo übrigens alljährlich im November auf einem Militärgelände das größte Endurorennen der Welt ausgetragen wird, steuern wir wieder Visby an. Mal ehrlich, Visby ist die einzige Stadt auf Gotland, die diese Bezeichnung auch verdient hat. Gut 22 000 Einwohner beherbergt die ehemalige Hansestadt heute. Und zu bieten hat sie auch reichlich. Gleich am Stadtrand kommen wir auf dem Campingplatz Kneippbyn unter. Okay, wo Licht ist, ist auch Schatten. Klare Pluspunkte: Praktische Lage, gut sortierter Laden, schöner Blick aufs Meer, nette Küste und das original Pippi Langstrumpf-Haus aus den Pippi-Filmen, die übrigens alle in und rund um Visby gedreht wurden. Aber entsprechend ist der Trubel. Angeschlossener Freizeitpark und verordnete Gaudi nebst Piratenkitsch und Karussellromantik machen das Gelände nicht wirklich zur Erhol-Oase. Was soll's? Dafür sind wir schnell in Visby - sogar mit dem Bus, können abends die Stadt unsicher machen und haben nur wenige Kilometer zum Fähranleger. Denn irgendwann ist dann schließlich auch unsere Gotlandtour zu Ende und mit einem letzten Blick auf die Türme, Kirchen und Giebel von Visby geht es zurück aufs schwedische Festland.

Allgemeines über Gotland

Die schwedische Insel Gotland liegt östlich des unteren Viertels von Schweden in der Ostsee. Sie ist nach dem dänischen Seeland die zweitgrößte Ostsee-Insel. An der breitesten Stelle ist Gotland etwa 50 Kilometer breit, die Länge beträgt etwa 125 Kilometer, darauf verteilen sich knapp 60 000 Einwohner. Die höchste Erhebung liegt mit etwa 80 Metern über dem Meer bei dem kleinen Ort Lojsta. Zu der Hauptinsel Gotland gehören noch einige weitere kleine Inseln, von denen lediglich Fårö eine größere Bedeutung hat und per Fähre angefahren wird. Hauptort und einzige größere Stadt der Insel ist die ehemalige Hansestadt Visby mit rund 22 000 Einwohnern, einer historischen Altstadt und dem Fährhafen der Insel. Aus der Frühzeit haben sich zahlreiche Überreste erhalten. Schiffssetzungen, Menhire und Runensteine finden sich recht häufig.

Gotland hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich siedelten die Svear, ein nordgermanischer Stamm auf Gotland. Danach, so die Sage, christianisierte Norwegerkönig Olav die Insel. Durch Handel zu Reichtum gekommen, musste sich die Hauptstadt Visby später unter schwedischer Herrschaft auch gegen die eigene Landbevölkerung verteidigen. Darauf eroberten die Dänen, dann die Vitalier sowie der Deutsche Orden die Insel. 1645 kam Gotland dann endgültig zu Schweden, lediglich im dänisch-schwedischen Krieg 30 Jahre später annektierten die Dänen nochmals kurzfristig Gotland.

Anreise

Zwischen Gotland und dem Festland gibt es zwei ganzjährig betriebene Fährverbindungen. Für die Anreise aus dem Süden ist nur Oskarshamn-Visby interessant. Nynäshamn, der andere Fährhafen, liegt südlich Stockholms. Die Überfahrt dauert etwa drei Stunden und kostet auf einer Strecke zwischen 15 und 17 Euro fürs Motorrad und ab 25 Euro pro Person. Fahrplan und Preistabelle lassen sich unter www.destinationgotland.se auch in deutsch aus dem Internet herunterladen.

Der schnellste Weg von Deutschland zum Fährhafen Oskarshamn führt über die Vogelfluglinie Fehmarn-Rødby und durch Dänemark. Von Rødby über Kopenhagen nach Oskarshamn sind es dann noch etwa 550 Kilometer.

Achtung: Skandinavische Straßen werden genauestens überwacht und die Strafen für Verkehrssünder sind drakonisch.

Streckenlänge / Zeitaufwand

Wir haben auf Gotland rund 1000 Kilometer zurückgelegt. Je nach Lust und Laune und Entdeckerdrang kann das auch mehr werden. Eine Woche sollte man sich mindestens Zeit nehmen, wenn man die ganze Insel sehen möchte.

Beste Reisezeit

Skandinavienfahrer wissen es - die reine Sommersaison auf Gotland ist relativ kurz. Trotz des relativ milden Klimas sind das die Monate Juli und August. Davor und danach kann es recht einsam werden und vieles ist geschlossen. Wer wetterfest ist und Ruhe liebt, wird sich auch im Frühjahr und im Herbst wohl fühlen.

Unterkunft

Es gibt einige Campingplätze mit sehr unterschiedlicher Qualität und Größe. Für ein Zelt findet sich immer ein Platz. Unter www.gotland.info lassen sich im Internet unzählige Hotels, Zimmer, Ferienhäuser und Hütten mit allen Kontaktdaten finden. Es ist hilfreich, während der schwedischen Werksferien in den Monaten Juli und August feste Unterkünfte im Voraus zu buchen. Meist findet sich aber immer noch ein freies Zimmer.

Literatur / Karten

Kümmerly + Frey, Süd-Schweden (Ost), 1:250 000, ISBN 978-3-259-01263-5, 11,90 Euro. Detailliertere Karten sind vor Ort an Tanken und Touristinfos erhältlich.

Humorvoll und hochinteressant: "Gebrauchsanweisung für Schweden" von Antje Rávic Strubel, Piper, ISBN 3-492-27556-7, 12,90 Euro.

 

Telefon: +49 (0) 26 41 30 82 0
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