Rund um den Genfer See

Eine Reise von Genf über Nyon bis Lausanne und Montreux. Bonjour fantastique Suisse et au revoir nice France...

Bon Appétit! Es ist angerichtet. Je weiter wir die Autobahn hinter uns lassen, umso schmackhafter wird es. Die ersten Kehren des herrlichen Höhenzuges Creux de Révigny südlich Lons-le-Sauniers präsentieren sich uns. Gerade richtig für das langsame Aufwärmen der Reifen und der Sinne, quasi als Aperitif. Ein Appetithäppchen dazu? Bitte sehr, auf der Karte steht der Pic de l'Aigle. Er bietet sich mit anregenden Panoramen und genussvollen Schräglagen an. Ein Entrée? Bien sûre! Da empfehlen sich die fast tausend Meter hohen Kurven vor les Rousses, dem quirligen Sommer- und Wintersportdorf mitten im Hochjura. Und nun – der Höhepunkt des Menu de Voyages: Der Col de la Faucille. Er kündigt sich durch ein Schild an. Es droht mit zwanzig Kilometern Kurve an Kurve. C'est formidable! Leicht und locker schwingen wir jede einzelne dieser Biegungen den Hang des Jura hinunter, lassen uns die scharfen Kehren ebenso munden wie die sanften, lieblichen Bögen inmitten dieser gefälligen Landschaft. Das Dessert? Nun, zum Nachtisch wird Seeufer gereicht. Irgendwo zwischen Bellevue und der Genfer Küstenlinie trudeln wir am kühlen Nass ein, parken das Mopped am Ufer und genießen erst mal den plätschernden Schlag der Wellen, die Sonne im Gesicht und die prächtige Sicht auf das Wasser und die dahinter liegenden Berge.

Die letzten Kilometer nach Genf hinein haben wir dann auch bald hinter uns gebracht. Da es langsam dämmert, wollen Kiki und ich uns nach einem Bett für die Nacht umschauen. Die Suche nach einem Quartier stellt sich schnell als relativ einfach heraus. Die Preise der von uns angesteuerten mondänen Hotels im Baustil der Belle Epoque am Seeufer sind so exorbitant hoch, dass es sich doch gelohnt hat, den Packsack mit Zelt und Schlafsack auf die BMW zu schnallen. Und außerdem, allein der Blick des livrierten Lakaien an der Drehtür sagt schon deutlich: „Du nicht!“ Was soll's, ein kleiner Schlenker um den Südzipfel des Sees herum und nur ein paar Minuten später rollen wir bei Vésenaz auf einen ansprechenden Campingplatz, der zudem günstig in Stadtnähe liegt. Das wir im platzeigenen Restaurant hervorragend bedient werden und es uns richtig gut schmeckt, trägt noch ein weiteres Stück zum Wohlfühlen bei.

Das Genfer Verkehschaos

Die Lac Léman-Runde steht am nächsten Morgen an. Lac Léman, so nennt sich der Genfer See im französischen Sprachraum. Lemanus, so nannten die alten Lateiner die Region rund um den wasserreichsten See Mitteleuropas. Satte 582 Quadratkilometer ist er groß und seine direkte Uferstraße runde 170 Kilometer lang. Für uns liegen die ersten dieser Kilometer wieder im Genfer Stadtgebiet. Mit dem Mopped in Genf, das kann ganz schön nervenaufreibend sein. Die Straßen sind eng, der Verkehr dicht. Eigentlich sind es auch gar nicht die Autofahrer, die einen in diesem Trubel gehörig zum Schwitzen bringen. Mopeds, Motorräder, Roller, wie ein Bienenschwarm in Angriffsformation löst sich die Horde Zweiräder bei jeder Grünphase los, rechts und links schießen die einspurigen Kamikaze zwischen den Reihen hindurch, schneiden lustig wo es geht, biegen ab ohne es vorher irgendwie kund zu tun. Für den ungeübten Motorradlenker gibt es genau zwei Möglichkeiten – defensiv in der Schlange der Autos verharren oder mitmachen. Ich entscheide mich für das Letztere und eigentlich klappt es auch ganz gut, bis zu dem Moment, wo meine Koffer so gerade eben noch einen Porsche-Kotflügel passieren. Okay, eigentlich haben wir es ja gar nicht so eilig und überhaupt – Genfs schönes Stadtbild genießt man sowieso am besten in aller Ruhe.

Nur eine Handvoll Kilometer entlang des Nordufers, und schon verebbt der Großstadttrubel. Versoix, das kleine Städtchen mit dem großen Hafen taucht auf. Friedlich dümpeln hier die Freizeitboote an der Mole. Im Café, gleich mit Sicht auf das glitzernde Wasser, genießen die Gäste die beschauliche Postkartenidylle. Nicht immer war es hier so ruhig. Ein paar hundert Jahre ist es her, da blühte von Versoixs Hafen aus der Handel über den gesamten See. Ab Versoix beginnen auch die interessanten Weingüter entlang des Seeufers. Hochherrschaftliche Häuser ragen umgeben von dichten, schattenspendenden Laubbäumen in den Himmel. Ihnen zu Füßen liegen die langen, schnurgeraden Reihen der Reben. Zwischen ihnen tummeln sich die Winzer und ihre Helfer, schneiden hier, binden da, mit einem sicheren Blick für die fantastische Qualität der Tropfen. La Côte nennen sich die hervorragenden sonnenverwöhnten Lagen.

Au revoir Genève - Bonjour Nyon

Nyon, das ehemalige Römer- und Fischerdorf, empfängt uns mit gewaltiger Blumenpracht. Kraftvoll sprüht ein Springbrunnen in den blauen, sonnigen Himmel. Wir nehmen uns die Zeit, strecken uns auf einer der Parkbänke aus und genießen Ruhe und Besinnlichkeit des Seeufers. Einmal im Jahr ist es mit der Ruhe dann allerdings vorbei. Ende Juli, wenn hier das alljährliche Paléo Festival startet, fallen über 200 000 Besucher in die Stadt ein, um drei Tage lang bei Kaiser Chiefs und Placebo und Rock und Pop, aber auch Chansons und Folk, zu feiern und abzurocken.

Genug der Muße, wir klettern auf die BMW, steuern durch Nyons kleine Gassen auf der Suche nach einer Auffahrt hinauf zum Schloss. Zwei, drei Schwenker um die alten Häuserzeilen herum, dann rollen wir auf dem großen Marktplatz vor dem alten Gemäuer aus. Zu Fuß umrunden wir es und auf der dem See zugewandten Seite präsentiert sich uns ein wahrhaft fantastischer Blick auf den See. Unter uns liegen die ockerfarbenen Ziegeldächer, gespickt mit unzähligen Erkern, Gauben und Türmchen, dazwischen verstecken sich die schattigen, schmalen Durchgänge und Sträßchen. Ein schmaler Grünstreifen, besetzt mit kugeligen Laubbäumen, die sich im steten Seewind wiegen, trennt Nyon von der riesigen, scheinbar endlosen, glitzernden Wasserfläche des Lac Léman. Auf ihm ziehen strahlend weiße Ausflugsschiffe ihre Bahn, Freizeitkapitäne tuckern in Ufernähe und ein paar Ruderer trainieren schwungvoll ihre Muskeln. In der Ferne, genau gegenüber Nyon, könnte man, wenn nicht gerade wie jetzt ein paar weiße Quellwolken die Sicht versperren, das gewaltige Massiv des Mont Blanc erkennen.

Kanton Waadt - Rolle bis Lausanne

Weiter geht’s entlang der Uferstraße. Wir teilen uns die Strecke mit schweizerischen und französischen Motorradfahrern. Zwischendurch überholen wir zwei Holländer, nur um wenige Minuten später von einem Italiener versägt zu werden. Das Publikum hier ist wirklich international und die Seerunde bei der Zweiradfraktion sehr beliebt. Kein Wunder, dicht an dicht reihen sich die kleinen, aber feinen Highlights – wie in Rolle, dem einstigen Hauptort des Kantons Waadt. Entlang der Grand Rue reihen sich die Häuser mit ihren einladenden Geschäften und Bistros, den schönen Fassaden, deren Fenster mit unzähligen Klappläden vor der häufigen Sonne geschützt sind. Im historischen Stadtkern haben zahlreiche Patrizierhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert den Jahren getrotzt. Aber das schönste Eckchen Rolles findet sich gleich am Seeufer. Dort errichteten die Grafen von Savoyen das Schloss von Rolle. Niedergebrannt durch die Eidgenossen, neu aufgebaut im 15. und 16. Jahrhundert, ist es heute sicher der schönste Arbeitsplatz der Region. Hier sitzt die Gemeindeverwaltung.

Es sind nur zwanzig Kilometer, aber scheinbar Welten, die das idyllische Rolle von Lausanne, dem heutigen Waadter Hauptort trennen. Kein Wunder, Lausanne ist die fünftgrößte Stadt der Schweiz und entsprechend ist der Trubel. Trotzdem, es macht Spaß, sich mit dem Verkehr durch Lausannes Straßen spülen zu lassen. Es gibt viel zu gucken, unzählige Geschäfte mit bunten Auslagen, illustre Menschen, die getreu dem Motto „sehen und gesehen werden“ die Straßencafés bevölkern, jede Menge Limousinen und Sportwagen, die scheinbar gerade den Ausstellungsräumen der teuersten Autohäuser entsprungen sind. Ich folge der Beschilderung nach Ouchy, dem zentralen Hafen Lausannes, lasse auf der Promenade das Motorrad ausrollen und für eine gute Stunde mischen wir uns in das sprudelnde Stadtleben, bummeln durch die Einkaufsstraßen. Locker ließen sich in Lausanne ein paar Tage verbringen. Die Kantonshauptstadt ist reich an Museen und Kultur, Sehenswürdigkeiten und Kontrasten. Nur wenige Meter neben dem Trubel laden die Promenaden und Grünflächen zum Entspannen und Erholen. Ganz wichtig vor dem Aufbruch – wir versorgen uns mit leckeren Zutaten für das anstehende Picknick.

Picknick in den Weinbergen von Lavaux

Das ist nämlich schon geplant. Kaum sind wir heraus aus Lausannes Treiben setze ich den Blinker links und biege ab auf die Route de Vin. Die einmalige Landschaft des Lavaux beginnt und damit der mit Sicherheit schönste Abschnitt entlang des Genfer Sees. Hier liegt auch der Anfang der Corniche de Lavaux, einer Traumstraße, die sich durch steile Weinterrassen immer Höher in eines der bekanntesten schweizer Weinbaugebiete windet. Wüssten wir es nicht besser, wir würden meinen an der Cote d'Azur unterwegs zu sein. Es geht hinauf und hinab, rechts und links um malerische Ecken hoch über der Küste und die herrlichen Panoramen wirken wie die Blicke von den grandiosen Corniches bei Nizza. Damit ist auch klar, was es mit dem Picknick auf sich hat. Wer einmal hier auf den Steinen der Weinberge mit frischem Baguette und Käse, einem Stück herzhaftem Schinken und knackigen, süßen Weintrauben saß, den unvergleichlichen Blick über den See mit seinen Ufern und das Gebirge genoss, Sonne, Stille und Luft in sich aufnahm, der dürfte endgültig dem Lac Léman-Virus verfallen sein.

Entsprechend schwer ist es für Kiki und mich, uns irgendwann wieder aufzurappeln und den Ufergestaden weiter zu folgen. Aber schließlich haben wir ja noch keinen Nachtisch gehabt und den holen wir uns jetzt am Ende der Corniche in Vevey. Der schon in Vorzeit bedeutende Handelsplatz ist heute ein wichtiges Zentrum der Schokoladenindustrie. Hier wurde die erste Schokoladenfabrik der Schweiz gegründet und hier gelang zum allerersten mal die Herstellung von Milchschokolade. Henri Nestlé entdeckte in Vevey das Verfahren zur Herstellung von Milchpulver. Kein Wunder, dass in diesem mächtigen Schatten auch die eine oder andere kleine Schokoladenmanufaktur entstand und sich die eine oder andere süße Köstlichkeit in den Schaufenstern und Theken der Veveyer Läden wiederfindet.

Montreux und ihr großer Held

Montreux, das ist wieder das pralle Leben und eigentlich wollen wir die Musik- und Festivalstadt links liegen lassen. Das hat sie nicht wirklich verdient, aber wir heben sie uns auf für die nächste Seerunde. Aber eines müssen wir dann doch noch tun, unserem musikalischen Held die Referenz erweisen. Farrokh Bulsara, wohl besser bekannt als Freddy Mercury, Frontmann von Queen und musikalisches Ausnahmetalent, verbrachte in Montreux seine letzten Lebensjahre. Es wären sicher noch mehr gewesen, hätte sich das aus Sansibar stammende Musikgenie einem nicht ganz so exzessiven Lebensstil hingegeben. An Montreuxs Seeufer steht eine beeindruckende Statue von ihm, überlebensgroß, in wohlbekannter Pose, ganz so, wie ihn seine Fans liebten.

Genug des Bummelns, in großem Bogen geht es um das Ende des Genfer Sees herum. Hier wäre der Einstieg in die fantastische Bergwelt östlich des Gewässers. Weiter hinein in die Alpen der Schweiz. Kommt später, für uns heißt es aber langsam wieder in Richtung Genf zu steuern. Bei Chessel überqueren wir die Rhône, die hier über ein kleines Delta den See speist. Im Schnitt, so haben schlaue Köpfe berechnet, dauert es knapp 11,5 Jahre bis das Wasser von hier den natürlichen Ausfluss aus dem See bei Genf passiert. Gleich hinter dem Rhônetal wurde früher die Reise um den See erst mal unterbrochen. Mit wichtiger Miene hoben Uniformierte die Hand und luden zur Kontrolle. Bei St. Gingolph beginnt der französische Teil des Seeufers und damit musste der Reisende natürlich die üblichen Grenzkontrollen über sich ergehen lassen. Auch wir standen hier vor Jahren schon einmal und kramten sämtliche Papiere aus dem Tankrucksack. Das ist zum Glück heute vorbei. Die Schweiz ist zu Beginn des Jahres 2009 dem Schengener Abkommen beigetreten. Das bedeutet freien Personenverkehr. Meistens jedenfalls, denn es besteht immer noch keine Zollunion zwischen der EU und der Schweiz. Stichproben werden also auch weiterhin möglich sein und das wird sich die Schweiz wohl auch nicht so schnell nehmen lassen. Wir haben Glück, bleiben unbehelligt und finden uns sehr schnell auf französischer Seite wieder.

Yvoire das schönste Dorf Frankreichs

Auf der Südseite präsentiert sich die Uferstraße meist anders als im Norden. Sie ist gleich am Wasser gelegen. Unmittelbar neben dem Asphalt plätschern die Wellen über den Kies und der Blick fällt immer wieder aufs glitzernde Wasser, auf kleine, am Ufer festgemachte Kähne und mehr oder weniger morsche Stege. Mellerie, der kleine romantische Ort bietet sich für einen kurzen Abstecher an. Es gibt einladende, freundliche Cafés gleich am Wasser, genau der richtige Ort, um sich ein bisschen mit Koffein zu stärken und die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Ein Getränk der ganz anderen Art präsentiert einige Kilometer weiter Évian-les-Bains. Seit 1826 wird das weltweit bekannte Evian-Mineralwasser abgefüllt. Die Cachat-Quelle sprudelt ganz in der Nähe des Sees munter vor sich hin und spendet reichlich von dem leckeren Nass. Vor einigen Jahren machte Évian-les-Bains auch noch auf andere Weise von sich reden. Hier fand 2003 der G8-Gipfel statt. Ein bis dahin unvergleichliches Sicherheitsaufgebot garantierte den Staatschefs ihre Ruhe. Rund 20 000 schweizerische und französische Polizisten und Soldaten, sicherten den See, die Region und den gesamten Luftraum. Das kleine Évian-les-Bains war für wenige Tage im Blickfeld der ganzen Welt.

Es gibt richtig spaßige Straßenabschnitte zwischen Thonon-les-Bains, dem großen Nachbarort Évian-les-Bains, und Genf. Aber dazu sollte man die Hauptstraße verlassen und den Schildern nach Yvoire folgen. Dieses Blumendorf, das sich offiziell zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählen darf, liegt an der Spitze der Léman-Halbinsel. Das mittelalterliche Ambiente, der unglaubliche Blumenschmuck, ein schnuckeliger, kleiner Hafen und das Schloss mit seinen urigen Türmchen locken Heerscharen von Touristen. Wirklich allein ist man in den engen Gassen nur zu ganz frühen oder ganz späten Stunden oder ganz außerhalb der Saison.

Zurück nach Genf

Praktisch, wir folgen dem Südufer und rollen noch vor dem Treiben der Genfer Innenstadt wieder auf den Campingplatz. Ein bisschen relaxen, eine erfrischende Dusche, am Abend sind wir wieder mitten im Zentrum, bummeln entlang des Ufers und zwischen den Geschäften, den Restaurants und Bars der Weltstadt herum. Genf ist der Sitz vieler internationaler Organisationen und Konzerne. Entsprechend weltoffen gibt sich die Stadt. Menschen unterschiedlichster Coleur, ein buntes Sprachenwirrwarr, Spezialitäten aus aller Welt in den verschiedensten Lokalitäten. Es mangelt nicht an Abwechslung in der Hauptstadt des gleichnamigen Kantons. Natürlich packen wir uns auch noch eine Flasche Wein aus dem Lavaux in den Koffer. Die gibt’s dann spät am Abend am Seeufer gleich neben dem Zelt.

Die Runde anders herum oder mit Abstechern oder lieber etwas höher in die spannenden Bergstrecken der Region. Die Auswahl ist groß am nächsten Morgen - Mont Blanc, Jura, rechts und links des Rhône-Tals oder lieber ins Vallée de Joux? Schwere Entscheidung! Nicht nur weil uns der Col de la Faucille so gut gefallen hat, entscheiden wir uns für Letzteres. Also, über Gex arbeiten wir uns wieder hinauf ins Jura. Biegen hinter les Rousses ins Tal des Flüsschens Orbe ein und erkunden die vielen kleinen gelben Striche, die auf der Michelinkarte zudem grün markiert sind. Parcours pittoresque nennt die Legende die sympathischen Nebenstrecken und das hat hier oben im Jura wahrlich seine Berechtigung. Den ganzen Tag streifen wir durch den Parc Naturel du Haut-Jura, einfach auf den weißen und gelben Linien und keine Minute und kein Meter ist langweilig. Dass wir zu Füßen des Crêt de la Neige dabei auf eine der vielen öffentlich zu befahrenden Rue de forêt geraten, die mal asphaltiert und mal geschottert sind, tut dem Spaß keinen Abbruch, auch wenn wir dafür lieber mit einer Enduro unterwegs gewesen wären.

Die schweren Entscheidungen des „Wohin“ rund um den Lac Léman werden uns auch an den restlichen Tagen der Woche nicht mehr abgenommen. Es ist das wohlbekannte Dilemma der Qual der Wahl. Aber was soll's, es gibt schwierigere Entscheidungen.

Allgemeines:

Der Genfer See, im französisch-sprachigen Raum Lac Léman genannt, ist nach dem Plattensee der zweitgrößte See Mitteleuropas. Durch seine Tiefe bis zu 310 Metern ist er dafür aber der wasserreichste. Er liegt im Südwesten der Schweiz, das Nordufer ist schweizerisch, fast das gesamte Südufer gehört zu Frankreich. Seine Umrundung entlang der Uferstraße ist etwa 170 Kilometer lang. Die Fischerei auf dem Genfer See findet heute nur noch in ganz kleinem Rahmen statt. Es gibt nur noch wenige Berufsfischer. Dafür hat die Personen- und Ausflugsschifffahrt enorm gewonnen. Eine Tour mit einem der zahlreichen Schiffe über den See ist fast wie eine kleine Kreuzfahrt und besonders bei sonnigem Wetter der pure Genuss.

Beste Reisezeit:

Sind die umliegenden Bergketten erst überwunden, lädt das Mikroklima des Sees auch in der Nebensaison zu entspannenden Touren. Dann sind die Pässe der Region allerdings oft noch gesperrt und eine ganze Reihe fantastischer Nebenstrecken nicht befahrbar. Die ideale Reisezeit für den See und die Region ist deshalb vom späten Frühjahr bis in den frühen Herbst.

Streckenlänge / Anreise / Zeitaufwand:

Die Anreise für Nordlichter und die Bewohner des größten Teil Deutschlands führt das Rheintal herunter. Bei Basel geht es über die Grenze, für die Schweizer Autobahnen ist dann eine Vignette nötig. Über Besancon, quer durchs Jura, ist die Anreise auch ohne Autobahn möglich. Für Motorradfahrer ist das sicher auch die schönste Alternative. Wer mit dem eigenen Fahrzeug in der Schweiz unterwegs ist, sollte über ein gesundes Maß an Selbstdisziplin verfügen. Die Geschwindigkeitskontrollen sind oft nicht zu erkennen, die Bußgelder sind richtig heftig und reißen schon mal ein dickes Loch in die Urlaubskasse. Streckenlänge und Zeitaufwand bestimmt man selber. Der Genfer See kann das Ziel eines unterhaltsamen Kurzurlaubes werden, für eine Umrundung und ein „erstes Kennenlernen“ reicht ein Wochenende. Sehr viel schöner ist es jedoch, die Gestade des Ufers als Basislager zu nutzen und von hier aus in die umliegenden Berge zu starten. Dann kann man hier locker 14 Tage verbringen. Vor allem, wenn man die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Ziele am See aufsuchen möchte und vielleicht noch eine Mini-Kreuzfahrt einplant.

Unterkunft:

Es gibt nicht nur die teuren und noblen Hotels am Genfer Seeufer. Als Alternative lassen sich in zahlreichen Dörfern rund um den See sehr viele kleine Pensionen finden, deren Preisgefüge deutlich moderater ist. Rund um den See gibt es auch einige Campingplätze, durch die Bank recht sympathische Anlagen.

Literatur / Karten:

Jeder touristisch relevante Ort am See hat eine eigene Touristinfo, die gut ausgeschildert ist. Dort erhält man viele gute Tipps und brauchbares Material. Eine gute Karte ist das Blatt 552, Schweiz Süd-West, 1:200 000 von Michelin, ISBN-13: 9782061008478. Für Abstecher ins Jura empfiehlt sich die brandneue Michelin Lokalkarte 321, 1:150 000, Französisches Jura, ISBN-13: 9782067134249. Wer sich ganz in Genf vertiefen möchte, dem sei aus der Reihe Reise Know-How „City-Trip Genf“ empfohlen. Mit Atlas und unzähligen guten Tipps für 8,90 Euro, ISBN-13: 9783831716876.

 

Telefon: +49 (0) 26 41 30 82 0
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