Schinderhannes & Co - Rhein und Hunsrück

Wo einst üble Räuberbanden durch das Unterholz schlichen, führen heute echte Traumstraßen zwischen idyllischen Hunsrückdörfern hindurch. Hinunter an den Rhein und zurück führen dann spannende Bergstrecken und herausfordernde Serpentinen.

Hier geht es ins Eingemachte. Vorbei am sogenannten Viersseenblick preschen wir mit der BMW zu Füßen des Kalmuts, Deutschlands steilstem Weinberg, in die Höhe. Und die Kurven sind knackig, richtig knackig. Es könnte fast eine Rennstrecke sein, die sich hier aus dem steilen, engen Mittelrheintal in die Höhe schraubt. Eben waren Kiki und ich noch in Boppard, dem romantischen Weinort, jetzt düsen wir in heftigen Schräglagen in Richtung Hunsrückhöhen. Hinter uns liegt die Bopparder Hamm. So nennt sich die engste Kehre des Rheins, der hier einen wilden 180-Grad-Knick hinlegt. Es sind nur wenige Kilometer, die wir die Steigung genießen dürfen, dann geht es schon wieder hinab und mal ehrlich, die Kurven hinunter zur Mosel sind auch nicht viel schlechter.

Für Motorradfahrer ist das enge und tiefe Tal des Mittelrheins ein echter Glücksfall. Nicht nur, dass es sich entlang des Flussbetts hervorragend touren lässt, auch die Berghänge rechts und links des Tales sind eine Herausforderung. In steilen Serpentinen geht es hier an vielen Stellen ins Eingemachte. Und wir müssen nicht lange suchen, um hier den perfekten Kurvenspaß zu finden. Keine zwei Kilometer folgen wir der Mosel flussaufwärts, da lockt schon der nächste Aufstieg. In Brodenbach setze ich den Blinker und verschwinde sogleich wieder in den dicht bewaldeten Hängen. Bevor es jedoch wieder ganz hinauf geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher. Die Ruine Ehrenburg wartet auf Besucher. Als alte Burgenfans lassen Kiki und ich es uns natürlich nicht nehmen, hier herein zu schauen. An jedem Sonntag zwischen Ostern und Oktober gibt es hier ein buntes Programm mit Köstlichkeiten aus der Burgküche und altem Handwerk zum Schauen und mitmachen. Und wer mal gerade in Feierstimmung ist - man kann sich in dem alten Gemäuer auch trauen lassen. Wir haben das schon hinter uns, kehren der Burg den Rücken und steigen erneut in den Hunsrück auf. Vorbei an der Ehrbachklamm nehme ich Kurs zurück zum Rhein - nach Sankt Goar.

Auch hier warten wieder asphaltierte Herausforderungen auf uns. Die letzten Schwünge ins Rheintal sind ein Kracher. Kein Wunder, dass hier immer wieder jede Menge Moppedfahrer aus der Region unterwegs sind. Unten angekommen winkt uns von der gegenüberliegenden Seite, der rechtsrheinischen, eine junge Dame vom Berg herunter. Es ist Loreley, die langhaarige Nixe, die hier fleißig Haare kämmt und Fischer ins Verderben führt. Bei uns klappt das nicht, vielleicht liegt es am Helm, dass wir sie nicht hören. Vielleicht sind wir aber auch nur durch die bildschönen Rheinorte abgelenkt, an denen wir hier am Rheinufer vorbei düsen. Sankt Goar, Oberwesel und natürlich Bacharach, einer schöner als der andere, gespickt mit alten Bauten, dazwischen kleine, kopfsteingepflasterte Gassen, nette Läden und Cafés. In Bacharach lasse ich die GS direkt neben dem Straßencafé ausrollen. In bequemen Stühlen lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen und genießen einen leckeren Cappuccino.

Quer durch einen schmalen Durchlass direkt an der mächtigen Burg Stahleck verlassen wir wenig später Bacharach und schwingen uns hinauf in den Naturpark Soonwald-Nahe. Auch diese Strecke hat es nicht nur in sich, hier treffen sich auch regelmäßig die Biker der Region. In der einen oder anderen Kurve trifft man sich regelmäßig zum Plausch, beurteilt den Fahrstil und die Kurventechnik der anderen „Motorrad-Verrückten“. Fast 650 Meter hoch ist das Hochsteinchen, die Kuppe, die die höchste Stelle der Gegend markiert. Nur knapp unter ihr rollen wir hindurch in Richtung Süden entlang des Guldenbachs. Bei Stromberg könnte man sich erneut ins Rheintal hinunterstürzen. Kiki und ich wollen aber noch ein wenig den Naturpark Soonwald-Nahe erkunden, also halte ich mich genau in die entgegengesetzte Richtung und folge den kleinen gelben Linien auf meiner Landkarte, die zudem alle mit einem grünen Strich gekennzeichnet sind. Der steht für eine landschaftlich besonders schöne Strecke und diese Auszeichnung haben sich die kleinen Nebensträßchen des Naturparks auch redlich verdient.

Bis Gemünden haben wir viel Spaß an ländlicher Gegend, viel Grün, Einsamkeit und einigen wenigen kleinen Dörfchen, die wir rechts und links liegen lassen. Dort ändert sich die Farbe auf der Karte von gelb nach rot. Das bedeutet eigentlich eine breite Landstraße. Okay, die B421 geht hier auch recht zügig zur Sache, aber das bedeutet auch gleich wieder mächtig Fahrfreude. Hier hat nämlich der Simmerbach gewirkt und dem gefiel, sich in wildem Zickzack der Nahe zu nähern. Und die Hunsrücker Straßenbauer hatten nichts Besseres zu tun, als ihre Straße gleich neben dem Bach zu bauen. Da kann man sich nur bedanken, eine wahrlich gute Tat! Jede Bachbiegung macht die Bundesstraße mit und das ist auch gut so. In Simmertal mündet der Simmerbach schließlich in die Nahe. Entlang der Deutschen Alleenstraße und der Naheweinstraße folgen wir der Nahe und sind damit mittendrin im über 4000 Hektar großen Weinbaugebiet Nahe. Vor allem der variantenreiche Nahe-Riesling gilt als ausgezeichneter Tropfen. Leider können wir als motorisierte Zweiradfahrer davon nichts probieren, nehmen uns aber bei einem der zahlreichen Winzer einen leichten, frischen Riesling für zu Hause mit.

Bad Kreuznach, das idyllische Städtchen ist unsere nächste Station. Die historische Altstadt und einige andere sehenswerte Bauwerke lohnen einen Stop. Vor allem die Alte Nahebrücke mit ihren Brückenhäusern aus dem 15. Jahrhundert, das Wahrzeichen der Stadt, ist einmalig. Für uns eine gute Gelegenheit, mal wieder die Motorradfahrer-Füße zu vertreten. Die Nahe führt uns schließlich wieder zurück an den Rhein. Wir folgen einfach ihrem Lauf der bei Bingen endet. Nur ein kurzes Stück unterhalb des berühmten Bingener Mäuseturms, der hier mitten im Rhein steht. Gruselig, die Legende um den Turm, die in Kurzform etwa so lautet: Dem Mainzer Erzbischof Hatto II. gehen die während einer Hungersnot bettelnden Armen auf den Geist. Er lässt sie in einer Scheune verbrennen und lästert dabei über ihre Schreie „Hört ihr die Kornmäuslein unten pfeifen?“. Plötzlich kommen hunderttausende Mäuse aus allen Ecken auf ihn zu gekrochen und Hatto rettet sich auf den Turm der Insel. Dort eingeschlossen wird er jedoch von den Mäusen bei lebendigem Leibe aufgefressen. Die Wahrheit dürfte aber eher sein, dass der Turm Mäuseturm heißt, weil sich der Name entweder vom mittelhochdeutschen mûsen ableitet, was spähen oder lauern bedeutet oder vom althochdeutschen muta, das heißt soviel wie Wegezoll oder Maut.

Wie auch immer, für uns heißt es jetzt „immer geradeaus“. In Richtung Norden folgen wir der B9. Gäbe es einen Preis für die schönste deutsche Bundesstraße, die B9 wäre sicher ein ganz heißer Favorit. Während auf der linken Seite steile Weinlagen, Burgen und Ruinen, bildschöne Fachwerkhäuser und Türmchen an uns vorbei gleiten, fließt rechterhand der träge Rhein durch das idyllische Rheintal. Ab und an überhole ich ein Auto, wir genießen die tollen Aussichten und irgendwie übertragt sich die Ruhe des Tales auch auf uns. Ich habe es nicht eilig, rolle eher geruhsam durch die entspannende Landschaft. Ein prima Kontrast zu den Kurvenorgien von heute vormittag.

Aber auch bei gemächlicher Fahrweise taucht irgendwann wieder das Bopparder Ortsschild vor uns auf und läutet das Ende dieser herrlichen Rhein-Hunsrück-Nahe-Tour ein. Wir könnten sie glatt noch einmal fahren.

 

Telefon: +49 (0) 26 41 30 82 0
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